Chronic

Rückblick auf 111 Jahre Kleingartenverein „Am Leitenberg“ e. V.

Am 1. August des Jahres 2012 beging der Kleingartenverein „Am Leitenberg“ e. V. sein 111jähriges Bestehen. Als eine von mehreren Kleingartenanlagen auf Pohlitzer Flur ist der Verein der zweitälteste im Greizer Territorium. Zwölf Jahre mehr gesät, gepflanzt und geerntet wurde nur auf Beeten der Anlage „Sonnenhöhe“ auf dem Reißberg. Damit gehören die Kleingärtner vom Leitenberg zu jenen Vereinen, die inzwischen die fünfte Gesellschaftsordnung - Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR-Sozialismus, Demokratie - erleben. Die ersten vier haben sie mehr oder weniger gut überstanden, in der fünften haben sie Fuß gefasst.

Begonnen hat es am 1. August 1901, als 23 Gartenfreunde eine Anlage mit kleinen Parzellen gründeten. Vorausgegangen war eine Generalversammlung des neu gegründeten Naturheilvereins am 19. Juli 1901 im ehemaligen Sanders Restaurant in der Pohlitzer Straße, in der Hermann Trögel den Anwesenden mitteilte, „dass auf Grund, der am 17. Juli 1901 eingereichten Statuten des grotierten Vereins die Genehmigung seitens Fürstlicher Hohen Landesregierung mit dem 13. Juli 1901 erteilt worden ist, und konstatiert selbiger, dass der bisher Konstituierende Verein sich nunmehr als offiziell begründet betrachten kann“. Aus den Daten, Originalprotokolle beweisen dies, ist ersichtlich, dass die Behördenwege früher leichter zu bewältigen waren als heute. Im Laufe der Generalversammlung wurde der erste Gesamtvorstand gewählt. Bis heute führten 16 Vorstände den Verein.

Der Standort der Parzellen war zunächst unterhalb der inzwischen abgerissenen Möbeltischlerei Fülle und belief sich auf eine Fläche von 4,831 qm. Laufend wurden neue Mitglieder aufgenommen, die ersten schon am 21. September 1901. Gleichfalls fanden erste Vorträge von Naturheilkundigen bald nach der Gründung statt, Kontakte zu anderen Naturvereinen wurden geknüpft. Bereits am 26. Januar 1902 ging es bei einem Familienabend mit Christbaumversteigerungen gesellig zu, eine Tradition, die heute immer noch Bestand hat.

Zehn Jahre nach der Parzellierung erfolgte ein Besitzerwechsel dieses Grundstücks, der die Suche nach einem neuen Standort notwendig machte. Diese fanden die Vereinsmitglieder am Leitenberg, in relativer Nähe des alten. Hier wurde mit dem Aufbau einer neuen Gartenanlage nach den Maximen des Leipziger Arztes Schreber begonnen, die eine naturgemäße Lebensweise zum Inhalt hatten. Eine der ersten Arbeiten an der neuen, mit 5.400 qm etwas größeren Anlage, war deren Umzäunu8ng. Fast gleichzeitig wurde mit dem Bau einer kleinen Schankwirtschaft begonnen. Deren erster Wirt war Albin Trögel, dem weitere 41 bis heute folgten.

Bei all diesen und weiteren Vorhaben leisteten die Mitglieder des Naturheilvereins in ihrer Freizeit unzählige Arbeitsstunden, um alle Maßnahmen zu realisieren. Dabei waren die finanziellen Mittel in dieser Zeit, wie bei den meisten Vereinen, äußerst knapp. Da die geplanten Bauvorhaben dennoch abgeschlossen werden sollten, übernahm die Göltzschtalbrauerei eine zweite Hypothek. Natürlich nicht ohne Eigennutz, man sicherte sich somit das Verkaufsrecht des eigenen Bieres an den Verein.

Mit Abschluss der Bauarbeiten an der Schankwirtschaft begannen die ersten Festlichkeiten in der neuen Gartenanlage, die bis zum heutigen Tage ihre Resonanz nicht verloren hat.

Sommerfeste, Blumenschauen u. a. m. erlebten ihre Premiere. Aufgrund der Größe des Areals stieg die Mitgliederzahl rapide an, in nur zehn Jahren von 29 auf beachtliche 85.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Zusammenhalt der Gartenfreunde deutlich. Gärten von Kriegsteilnehmern wurden von „Daheimgebliebenen“ mitbestellt. Wie in vielen Vereinen hinterließ der Krieg aber auch im Naturheilverein seine Spuren; nicht alle eingezogenen kehrten zurück. Logisch, dass in Deutschland der Nachkriegsjahre ein Kleingarten zu einer Lebensgrundlage wurde.

Mit Verbesserung dieser Situation im Jahre 1924 dachten die Naturheilvereinsmitglieder an einen Umbau ihrer Schankwirtshalle. Zu dessen Finanzierung wurde die Einführung eines Sparsystems beschlossen, das eine Reichsmark pro Mitglied beinhaltete. Am 31. März 1926 wurden mit der Vergabe dieser Umbauarbeiten an den Pohlitzer Zimmermeister Max Schimmel Nägel mit Köpfen gemacht. Am 23. Juni des gleichen Jahres wurde die umgebaute Halle eingeweiht. Somit stand der ersten Jubiläumsfeier, der des 25jährigen, nichts im Wege. Als Vorsitzender des eigens dafür ins Leben gerufenen Festausschusses fungierte der langjährige Pohlitzer Schulhausmeister Moritz Haller. Die umgebaute Halle war 1931 auch Schauplatz eines Wettkampfes der damals rebellierenden Greizer Ringerjugend mit den Ringern aus Pausa, der vor ausverkaufter Halle mit einem 4:3 Sieg endete.

Es folgten die Weltwirtschaftskrise und ab 1939 der Zweite Weltkrieg, aus dem abermals etliche Mitglieder nicht in den Kreis ihrer Gartenfreunde zurückkehrten. Die Zeit danach war ungleich härter als die nach dem Ersten Weltkrieg, lag doch in Deutschland so ziemlich alles am Boden. Erneut wurde der Garten zu einer lebenswichtigen Quelle und Aufgabe für alle Mitglieder. Zum 1. Vorsitzenden in diesen schweren Nachkriegsjahren wurde 1948 Rudolf Becher gewählt. Er und sein Vorstand hatten die schwierige Aufgabe zu bewältigen, innerhalb des Naturheilvereins wieder ein reges und geordnetes Mitgliederleben zu schaffen. Zum anderen rückte das 50jährige Jubiläum näher, das man trotz der großen Schwierigkeiten begehen wollte. Ab dieser Zeit konnte wieder von einer Aufwärtsentwicklung im Naturheilverein gesprochen werden.

Dieser musste allerdings im Jahre 1954 mit der Gründung des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) seinen bisherigen Namen aufgeben und hieß fortan Kleingartenanlage „Am Leitenberg“. Durch die mühevolle und dennoch engagierte Arbeit des Vorstands sowie der Mitglieder konnte eine wesentliche Verbesserung des Spartenlebens erreicht werden. Das Spartenheim, von den Mitgliedern und vielen Pohlitzern nur „die Halle“ genannt, rückte mehr und mehr in den Vordergrund und wurde zum Mittelpunkt des gesamten Lebens in der Anlage. 1960 machten sich erste bauliche Veränderungen notwendig. 1967 wurde die Außenfassade auf den heutigen Stand gebracht, dabei wurden von den Mitgliedern viele Stunden Freizeit bei der Planung und Durchführung dieses Vorhabens geopfert, und dies gern.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass unser heutiges Ehrenmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied Karl-Heinz Schreib Pionierarbeit für den Verein geleistet hat. Sowohl in finanzieller als auch in materieller Hinsicht gab er Unterstützung bei Tannenbaumveranstaltungen und Abgaben für Blumen- und Produkten-Schauen den Verein mit einer Vielzahl seiner privat gesponserten Erzeugnisse. Karl-Heinz Schreib war und ist immer noch die gute Seele des Vereins. Ein Zeichen seiner Verbundenheit, welche mit der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt wurde.

Auch in gastronomischer Hinsicht wurde es von Jahr zu Jahr besser. War die Einrichtung zunächst nur an den Wochenenden geöffnet, war dies ab 1960 täglich, mit einem Ruhetag, der Fall. Infolge der Zusammenlegung von zwei kleinen Räumen zu einer modernen Küche kam es zu einer besseren Versorgung der Gäste mit Speisen. Durch die Verkleidung der Wände des Gastraums mit Holz wurde ein geschmackvolles Aussehen erzielt.

Auch innerhalb der Gärten und an den Außenanlagen wurden ständig Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Alte Bäume, Sträucher und Gartenlauben wurden entfernt und durch Neues ersetzt. Für die Verbesserung des geselligen Lebens sorgte die Gründung eines Frauenaktivs und einer Hauskapelle. Bei der Mitgestaltung des geistig- kulturellen Lebens im Wohngebiet, zu DDR-Zeiten gehörte dies einfach dazu, spielte die Gartenanlage ebenfalls eine Rolle. Angebotenes wurde gern angenommen. Zu den Aktivitäten gehörten u. a. Tannenbaumversteigerungen, Faschings-, Mai- und Silvestertanz, Kremserfahrten, Himmelfahrtspartien, Bockbierfeste, Blumen- und Produktenschauen, Lichtelabende. Zeitweilig existierte sogar eine Laienspielgruppe mit eigenen Kulissen. In den 50er und 60er Jahren fanden im großen Saal der „Halle“ regelmäßig Vorführungen des „Landfilms“ statt. Gleichfalls zum DDR-Alltag gehörten die Verpflichtungen zur Abgabe von Produkten und Ableistung von VMI-Stunden (Verschönerung, Modernisierung, Instandhaltung) im jährlichen Wettbewerb der Nationalen Front „Schöner unsere Städte und Gemeinden! Mach mit!“, sowohl in der Sparte als auch im Wohngebiet.

Und viele „Leitenberger“ machten mit, so leisteten 90 männliche Mitglieder von 1960-1974 insgesamt 26.558 Stunden, was einem Durchschnitt von 295 Stunden entspricht. Für Spitzenleistungen wurden „Aufbaunadeln der Nationalen Front“ in Gold, Silber und Bronze verliehen. Mit der Abgabe von Produkten wie Obst, Beeren, Gemüse, eiern, Geflügel und Kaninchenfleisch wurde ein Beitrag zur „Versorgung der Bevölkerung“ geleistet und der eigene Geldbeutel aufgefüllt. Die gesellschaftliche Wende brachte auch für die Kleingartenanlage „Am Leitenberg“ eine Wende, dies in unterschiedlicher Hinsicht. Die „Gängelei von oben“ fiel weg, teilweise aber auch ein sich über Jahrzehnte gefestigter Zusammenhalt.

Der Verein mit seinen 68 Gärten auf 13.370 qm Grundfläche ist seit dem 12. Juli 1990 eingetragener Verein im Vereinsregister beim Amtsgericht Greiz. Grund und Boden sind städtisches Eigentum. Je nach Gartengröße ist jährliche Pacht zu zahlen. Die gärten haben Wasser- und Stromanschluss. Dem Verein gehören 72 Mitglieder an, von denen 3 Ehrenmitglieder sind.

Der Verein, seit 1990 Mitglied im Kreisverband der Gartenfreunde e. V., wird heute von einem fünfköpfigen Vorstand geleitet. Unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen in den letzten Jahren ist es nicht einfach, einen Verein in ehrenamtliche Arbeit exakt zu führen. Dennoch geben sich die einzelnen Vorstandsmitglieder jeder in seinem Aufgabengebiet enorme Mühe, das Vereinsleben mit all den Traditionen früherer Jahre erfolgreich fortzusetzen. Es wird versucht, junge neue Mitglieder mit in die Vereinsarbeit einzubeziehen, da ein Großteil der Mitglieder das 65. Lebensjahr überschritten hat. An dieser Stelle sei all denen gedankt, die trotz des fortgeschrittenen Alters den Verein immer noch durch ihre Aktivität unterstützen.

Die hier im Zeitraffer aufgezeichnete Chronik des Vereines wäre unvollständig, den von 1995-2010 fungierenden 1. Vorsitzenden Gerd Knobeloch zu erwähnen. Unter seiner bewährten Leitung wurde in den letzten Jahren enormes für den Verein geleistet. Er hat es verstanden, mit seiner offenen und ehrlichen Argumentationen Sympathien bei Vorstands- und Vereinsmitgliedern zu erreichen. Aber nicht nur das, uneigennützig legte er bei baulichen Veränderungen, z. B. Wasserleitungsbau, im gesamten Vereinsheim neue Fenster zu besorgen und zu montieren, Errichtung einer neuen Klärgrube, in Gaststätte und Saal Decken- und Wandpaneele anzubringen, komplette Sanierung des Daches, der Anbau wurde neu gemauert, legte unter seiner Leitung mit Hand an und ersparte dem Verein damit Kosten. Aus gesundheitlichen Gründen ist Gerd Knobeloch im Jahr 2010 aus dem Vorstand ausgeschieden. Bleibt noch, unserem ehemaligen 1. Vorsitzenden, auch im Namen der Mitgliedschaft, Dank für sein Engagement für den Verein zu sagen.

Im 100. Jahr seines Bestehens führte der Verein, wie jedes Jahr, sein traditionelles Sommerfest mit Blumen- und Produktenschau durch. Der Vorstand und alle Helfer aus der Mitgliedschaft betrachten dies als Höhepunkt im Jubiläumsjahr. Ort des Geschehens ist der Festplatz vor der Gaststätte, wo ab 14 Uhr Unterhaltungsmusik geboten wurde. Auch für das leibliche Wohl ist mit Spezialitäten vom Grill und Fischbrötchen, sowie hausgebackenen Kuchen bestens gesorgt worden. Am Abend konnte das Tanzbein bei Discomusik das Tanzbein im Saal der Gaststätte geschwungen werden. Die Organisatoren freuten sich über den regen Besuch von Gästen aus nah und fern. Das Sommerfest im 100. Jahr des Bestehens des Vereines wurde ein voller Erfolg.Im 100. Jahr seines Bestehens führte der Verein, wie jedes Jahr, sein traditionelles Sommerfest mit Blumen- und Produktenschau durch. Der Vorstand und alle Helfer aus der Mitgliedschaft betrachten dies als Höhepunkt im Jubiläumsjahr. Ort des Geschehens ist der Festplatz vor der Gaststätte, wo ab 14 Uhr Unterhaltungsmusik geboten wurde. Auch für das leibliche Wohl ist mit Spezialitäten vom Grill und Fischbrötchen, sowie hausgebackenen Kuchen bestens gesorgt worden. Am Abend konnte das Tanzbein bei Discomusik das Tanzbein im Saal der Gaststätte geschwungen werden. Die Organisatoren freuten sich über den regen Besuch von Gästen aus nah und fern. Das Sommerfest im 100. Jahr des Bestehens des Vereines wurde ein voller Erfolg.